WMDEDGT 09/2018

Wie immer initiiert von und gesammelt durch Frau Brüllen.

6 Uhr, der Handywecker vibriert. Ausnahmsweise ist der Dr. rer. nat. noch da und steht mit mir auf. Beziehungsweise: wir beide wachen auf, er ist 14 min später aus dem Haus, da schlappe ich gerade so ins Bad. Ich nix Morgenmensch. Er ist ein bisschen erkältet und hat aktuell viele Nachmittagstermine in der Arbeit, deshalb startet er etwas später als gewohnt.

Als ich aus dem Bad komme, steht die Kinderzimmertür offen, d. h. der Zwerg ist wach. Er kommt mir *tapptapptapp* entgegen, erkennt mich und heult auf „Neiin! Mama weg, will Papa!“, schmeißt krachend die Tür hinter sich zu und legt sich wohl wieder ins Bett. Daily business, jeden Tag wieder hasse ich es.

Etwas später kommt er wieder, als wäre nix gewesen. Wir frühstücken gemeinsam, er kreist immer wieder um sein Lego und muss sich dann doch fertigmachen lassen, damit wir pünktlich um 8 aus dem Haus kommen. Wir nehmen zweieinhalb Packungen Windeln mit, die wir einem anderen Tageskind weitervererben (merke: Die Entscheidung zum Wechsel zur nächsten Windelgröße ist so kurz wie möglich nach dem letzten Vorratseinkauf zu treffen).

In der Arbeit freue ich mich zuerst kurz über das neue Excel, das ich mir installieren habe lassen, kann ich jetzt doch ein supersexy Treemap-Diagramm für die Besprechung morgen vorbereiten. Außerdem lese ich mich noch für die zweite Besprechung morgen ein, helfe einem Kollegen mit ein paar Zahlen (nein, kein Patentrezept, nein, nicht nur ein Knöpfchen drücken, bitte Hirn einschalten und benutzen.)

Gegen 12 verlasse ich fluchtartig das Büro, schließlich war ich am Montag lange da, weil Excelschulung, und ich soll doch keine Überstunden aufbauen. Schnell ein paar Dinge einkaufen und was essen, zuhause kurz die Füße hochlegen und dann eine Runde Haushaltsdreikampf: Spülmaschine aus- und einräumen, aufräumen, Wäsche.

Um 14:30 breche ich auf und hole einen gutgelaunten Zwerg ab, der sich eigentlich viel lieber an einer geschenkten Zeitschrift festlesen möchte. Nach einiger Überredung holen wir auf dem Heimweg noch ein Grillhähnchen für den Dr. rer. nat., der Zwerg entscheidet sich aber für seinen heißgeliebten Käääääsekuchen.

Rausgehen ist heute für ihn keine Option, das geht für einen Tag mal OK, solange er sich einigermaßen alleine beschäftigt. Gestern waren wir lange auf dem Spielplatz, morgen werden wir wieder draußen sein, also soll er mit seinem Lego glücklich sein, ich muss nur ab und zu mal Steine auseinanderbauen.

Der Dr. rer. nat. kommt gegen 16:00 heim, das Wohn-Esszimmer wird zum Spielparcours und ganz nebenbei verschwindet das Grillhähnchen im Magen des großen Manns. Er bereitet sich noch einen Apfelstrudel fürs Abendessen vor, dann gehen wir gemeinsam ins Arbeits-/Legozimmer und vertrödeln den Nachmittag. Zum Abendessen gibt es für mich improvisiertes Garnelen-Nudel-PakChoi-Curry, der Zwerg pendelt zwischen unseren beiden Essen und legt noch etwas Fruchtjoghurt nach.
(Den Rausgehwunsch des Zwergs gegen 19:30 haben wir Eltern ausgesessen. Als wir das letzte Mal noch so spät raus sind, hat es danach zwei Stunden gedauert, ihn zum Schlafen runterzufahren. Nein danke.)

Vor dem Zubettgehen werden intensiv die Kuscheltiere versorgt, wir schauen Bücher an und studieren noch die neue Zeitschrift des Zwergs. Irgendwann werde ich dann abbestellt und der Papa muss zum Einschlafen rüberkommen – same procedure as every evening.
Wir Eltern werden noch ein bisschen das Internet leer lesen, dann gehts für uns auch bald ins Bett, morgen ist wieder ein voller Tag.

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*pieps*

Wir sind auf dem Bauernhof, ohne Handynetz und quasi nur im Freien. Der Zwerg ist glücklich, mir reichts langsam, aber so ist das halt jetzt.

Falls jemand einen Tipp für einen Familienbauernhof in der mittelfränkischen Pampa braucht, einfach melden.

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Nur echt mit dem geliehenen Hello-Kitty-Unterhemd

WMDEDGT 08/2018

Wieder ein Monatsfünfter, Sie kennen das Thema, Details gibts bei Frau Brüllen.

Der gestrige Abend hat noch ein bisschen in den Fünften reingereicht, aus Gründen bin ich kurzfristig noch ins Gästezimmer ausgewandert und musste dort erstmal lüften, bevor ich schlafen konnte. Dann war mein Buch auch noch ziemlich spannend, und überhaupt.

Schlafen durfte ich dafür bis etwa 8 Uhr heute früh, die Männer waren schon eine Weile auf und haben Baggervideos auf youtube geguckt, Kinderlieder geübt und duplo-Kräne gebaut. Meine erste Handlung des Tages: alle Fenster aufreißen, ein paar Türen sichern und die Illusion von Abkühlung genießen. Zum gemütlichen Sonntagsfrühstück gabs den halben Käsekuchen, der von gestern noch übrig war. Der Zwerg war krank und holt gerade das an Essen nach, was ihm ein paar Tage nicht schmecken wollte. Aktuell esse ich hier im Haushalt am wenigsten…

Gegen halb zehn zogen der Zwerg und ich los, am anderen Ende unseres Stadtviertels gibts einen Bäcker, der auch sonntags offen hat und Eis verkauft. Eine große Kugel Schokoladeneis mit Streuseln später sind wir auf den Spielplatz weitergezogen. Dank Schatten waren dort einige Kinder, unter anderem die kleine Freundin des Zwergs von seiner Tagesmutter. Das war eine sehr entspannte Stunde, bevor gegen elf alle gleichzeitig nach Hause wollten. Die Hitze macht zum Glück nicht nur Eltern, sondern auch Kinder träge.

Zuhause war die Begeisterung groß, als der Zwerg seinen PAPPAAAA! wieder hatte. Nach etwas Rumhängen wollte der Zwerg schlafen, der Dr. rer. nat. und ich rafften uns dann doch irgendwann auf und bereiteten das Mittagessen vor. Handgesiebte Spätzle mit Käse bzw. Zucchinigemüse fanden auch beim Zwerg Anklang. Eigentlich gehen wir nach dem Mittagessen gerne raus, bei den momentanen Temperaturen fiel die Wahl aber auf eine ausgiebige Legosession mit „Priuß“, Feuerwehrauto und Kran.

Gegen vier eskalierte die Stimmung geringfügig, bei einem krank gewesenen Zweieinhalbjährigen nichts Ungewöhnliches, nur die Intensität war untypisch hoch. Nach einer Stunde haben wir das tobende und heulende Kind nach draußen bugsiert, dort war er zunächst recht umgänglich, bis die Stimmung wieder kippte. Diesmal kam die Ansage „Hunger“, und voila, zwei Scheiben Wurstbrot später war die Laune wieder gut. Also doch fünf ernsthafte Mahlzeiten an einem Tag, okay…

Die zweite Draußenzeit des Tages hatte der Dr. rer. nat. übernommen, daher konnte ich ein bisschen weiterlesen und die Packliste für den Urlaub nächste Woche zusammenschreiben. Der Zwerg und ich fahren auf einen Familienbauernhof mit Streichelzoo, Bobbycarscheune und allem Pipapo. Ich hoffe, es ohne Stresskollaps zu überstehen – als wir den Plan gefasst haben, hatte der Zwerg gerade eine gutmütige und der Dr. rer. nat. eine schlechte Phase. Ich habe die Idee mehrfach verflucht, aber Kneifen gilt nicht. Schließlich will ich im Herbst ein paar Tage alleine nach Berlin *hier bitte das breitestmögliche Grinsen einsetzen*.

Zum Abendessen – ca. 18:45 – vernichtet der Zwerg eine weitere Scheibe Käsebrot, ein weiteres Stück Käsekuchen und schiebt jetzt – nach einer kurzen Plansch-Dusch-Unterbrechung – noch ein, zwei Scheiben Käse-Kürbiskern-Knäcke ein. Sonst gabs heute schon zwei Kiwi, eine Handvoll Tomaten, ein Viertel Käsekuchen, eine Schüssel Käsespätzle, eine große Kugel Schokoladeneis, Unmengen an Wasser und Saftschorle… Massephase, eindeutig.

Da das Planschen wegen akuter Eskalation etwas kürzer als geplant ausfiel, flitzt hier jetzt ein Windelträger „mit ohne T-Shirt“ durch die Gegend und kommandiert seinen Papa durch die Gegend.

Gegen halb neun leite ich das Abendritual ein: Antibiotikum, Zähneputzen, Nachtwindel, was anziehen, Buch anschauen,  Schlafen. Teile davon darf ich abarbeiten, dazwischen kommt immer wieder „Papa XY“. Ich spiele noch ein bisschen am Rechner und dusche dann ausgiebig.

Jetzt um 22:45 sitze ich im Schlafanzug auf dem Balkon und genieße noch die Ruhe, die angenehme Temperatur und lese, bevor mich die Vernunft ins Bett treibt. Morgen startet eine letzte vollgestopfte Arbeitswoche.

Durchatmen

Die Woche war randvoll – drei Tage internationale Gäste in der Arbeit, große Unruhe beim Dr. rer. nat. in seiner Arbeit, der Zwerg ist sowieso grundsätzlich nicht ausgelastet. Gestern abend war ich absolut knülle.

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Jetzt sitze ich im Wiesengrund, um mich herum zwitschern Vögel, ich habe Kaffee dabei und schalte ab. Ein krasser Kontrast, aber dringend nötig.

Und immer wieder beschäftigt mich das Thema Work-Life-Balance und das, was ich bei Kollegen und Chefs dazu sehe. Manche scheinen das Thema gar  nicht zu kennen,  außer Arbeit gibts in ihrem Leben nichts. Andere leben das andere Extrem, da werden schon mal Besprechungseinladungen abgelehnt, die aus diversen Gründen nicht anders gelegt werden können, mit dem Hinweis auf die Frühstückspause, die exakt zu diesem Termin stattfinden muß. Die beiden Gruppen leben unkompliziert , die Prioritäten sind klar. Ich stehe dazwischen. Ich will weder das eine noch das andere, aber diese Einfachheit wäre tatsächlich schön.
Im nächsten Leben vielleicht.

WMDEDGT 07/2018

Wieder mal vorher dran gedacht und dann doch fast vergessen. OK, ich rekonstruiere aus dem Gedächtnis. Das Tagebuchbloggen vom Monatsfünften stammt von Frau Brüllen, btw, wie immer.

Unbarmherzig vibriert um 6:00 das Smartphone, trotz meines ausgefüllten Abends gestern geht der Alltag heute morgen von vorne los. Ich war bei einer Farbberatung der Volkshochschule, sehr interessant, auch wenn ich da einiges erstmal sacken lassen muss. Ich raffe mich auf, gehe duschen und ziehe wieder was an, bevor ich Frühstück mache. Der Zwerg ist ähnlich morgenmuffelig wie ich, aber gegen

7:00 sitzen wir am Frühstückstisch, er auf meinem Schoß, und mümmeln Käse auf Brot oder auch ohne. Wir müssen uns heute ranhalten, der Zwerg muss nämlich heute pünktlich bei seiner Tagesmutter sein.

8:05 (fast pünktlich) kommen wir dort an, und sind nicht die Letzten *yeah* Der Zwerg besucht heute die Urlaubsvertretung seiner Tagesmutter, und der Weg dorthin dauert zu Fuß mit einem Vierlingswagen einige Zeit, so dass sie einen straffen Zeitplan haben. Ich gondele gemütlich mit meinem Kaffeebecher in Griffweite in die Arbeit. Dort habe ich Zeit für ein Pläuschchen mit Kollegin 1 über das dreitägige Treffen nächste Woche und mit Kollegin 2 über eine Entdeckung, die wir lieber in unserem gemeinsamen Projekt vor drei Jahren gemacht hätten. Dann geh ich doch mal was arbeiten, bevor ich wieder in Besprechungen muss.

11:00, das erste Meeting mit einer Truppe, die sehr dankbar ist, dass wir sie bei einer Prozessanalyse unterstützen. Mittagessen. Zweites Meeting mit einer Truppe, die zwar in einer Abteilung ist, aber offensichtlich auch nicht oft in dieser Zusammensetzung miteinander redet. Sehr produktive eineinhalb Stunden, danach bin ich platt.

14:15, ein kurzer Austausch mit meinem Chef über die aktuellen Meinungen unserer Chefin, dann stempele ich aus und hole einen energiegeladenen Zwerg ab. Vor der Krabbelgruppe brauchen wir unbedingt noch ein Eis (bitte Zwerg mit erhobenem Zeigefinger und sehr ernster Miene vorstellen: „Schoko-LA-DEN-Eis, Mama!“). Während der Weiterfahrt zieht es zu, Sturmböen fegen Äste über die Straße und dunkle Wolken ziehen uns hinterher. Wir huschen schnell ins Gemeindehaus und verbringen die nächste Zeit mit Lego, Bällen und Lebenskrisen, weil $Kind1 unbedingt das Spielzeug braucht, das $Kind2 grade hat, $Kind3 aber auch haben will usw.
Auch Zusatzkalorien in Form der obligatorischen Keksvorräte helfen wenig, und so lösen wir die Versammlung ungewöhnlich früh auf.

Gegen 17:30 sind wir zuhause, der Dr. rer. nat. hat gekocht und wir vernichten eine größere Ladung Käsespätzle, der Zwerg darf seine tägliche Dosis Lego-Bagger-Video gucken. Dann ziehen die Männer zum Duplo um, ich habe Pause und lese mich einmal quer durch das Tagebuchbloggen.

19:00, so langsam wird es zäh mit dem Zwerg. Er darf nicht den Werkzeugkasten ausräumen – großes Geheule. Er darf den Papa nicht beißen – wieder großes Geheule. Die Pausen zwischen den Austickern sind kurz, die Konzentrationsfähigkeit zum Selberspielen fehlt. Da merkt man, wie selbstständig er sonst spielt, wir sind wirklich verwöhnt. Nach langem Kampf gehen wir gegen 20:00 nochmal zum Mitternachtssnack in die Küche (Rote Beete aus dem Glas), der Papa darf Zähneputzen, ein Buch mit dem Zwerg anschauen und ihn zum Schlafen begleiten.

Wir Eltern versumpfen noch ein bisschen vor den Rechnern, und um 22:00 breche ich ab und mache mich bettfertig. Lieber lese ich noch ein bisschen im Bett, aber die Woche war anstrengend, daher plane ich nichts mehr ein für den Rest des Abends.

Morgens früh um sieben

„Steuerung-Führer.“

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Herzchenaugenmoment noch vorher: Um sechs bin ich gerade so dabei, aufzuwachen. Zwei kleine Füße tappen durch den Flur, die Schlafzimmertür schwingt auf. Ein prüfender Blick über mich hinweg: kein Papa mehr da, der ist schon in der Arbeit. Ein kurzes Zögern, dann klettert der Zwerg zu mir ins Bett, kuschelt sich seitlich an mich, schaut mich noch einmal an und schläft wieder. Das war trotz randvoller Blase sehr, sehr schön