Einer geht doch noch

Wie man in meinem Forum für Doktoranden sagen würde:

Es hat mich gesurft.

Mein Laptop hat mich quasi gezwungen, vor ihm sitzenzubleiben und wahllos im Internet rumzulesen. Deshalb bin ich noch nicht im Bett. Nebenbei habe ich auch noch nicht zu Abend gegessen.

Deshalb doch noch ein klitzekleiner Post, bevor ich den nächsten Anlauf zum Insbettgehen starte. Dazu ist die Frage des Tages eher ungeeignet (die gibts demnächst in Langform), ich nehm lieber eine von den älteren. Oh, die von gestern ist quasi wie auf mich zugeschneidert.

Share a story about a memorable job interview.

Das skurrilste Bewerbungsgespräch meines Lebens.

In meinem vorherigen Blog hatte ich davon berichtet, als es ganz frisch war, mit drei Monaten Distanz sehe ich manches ein bisschen anders.

Stellt euch ein kleines Städtchen irgendwo in Oberfranken vor, das einzige dort ansässige Industrieunternehmen hat  ein paar hundert Mitarbeiter. Von denen laufen maximal 10% nicht mit dem Blaumann rum, es wird also richtig produziert, und in dem Teil, wofür ich mich beworben habe, gehts richtig laut, heiß und schmutzig zu. Das war etwa mein Vorwissen.
Das Gespräch fand mit zwei Personalerinnen statt, der Fachvorgesetzte hatte keine Zeit. Fand ich unkonventionell, aber gut, macht ja nix.

Der Anfang des Gesprächs war auch noch ganz normal, man hat sich und die Firma kurz vorgestellt, dann habe ich meinen Lebenslauf erzählen dürfen, so weit, so gut.
Dann kamen die Fragen – ob ich mir denn als Frau diesen Job wirklich zutrauen würde. So mit Dreck und so unter Männern. Ich nach bestem Wissen geantwortet, ich bin ja nicht aus Zucker, das passt schon.
Aber mir müsste schon klar sein, dass ich so frisch aus der Uni in den Augen der Leute dort gar nix kann und bin. Dass das erstmal ne Weile dauert, bis ich mir mein Ansehen erarbeitet habe. Nagut, nochmal der gleiche Text – ist mir klar, ich will dazulernen, bin immer noch nicht aus Zucker.
Das Thema haben sie noch mindestens eine halbe Stunde lang breitgetreten, immer wieder anders formuliert, immer wieder angezweifelt – am Ende war ich echt kurz vorm Platzen, mir fiel nichts mehr ein. Ich hätte am liebsten gefragt, ob sie mich haben oder abschrecken wollen.

Ich war dann schon fast froh, als wir zu den voraussichtlichen Konditionen meines Vertrags kamen, auch wenn die mir nicht gefallen haben. Einstufung wie jemand, der frisch sein Diplom hat – ich hätte fast gelacht.

Danach bin ich heimgefahren und habe wirklich an mir gezweifelt. Kam ich so tussig rüber, dass die mir nicht zugetraut haben, mal über nen Tittenkalender im Spind hinwegzugucken? Oder ist man da draußen auf dem Land so ruppig, dass ich froh sein soll, rechtzeitig gewarnt worden zu sein?

Das Ende vom Lied war, dass ich nach der abgesprochenen Frist eine freundliche Mail geschrieben habe, dass ich kein Interesse mehr hätte. Die Antwort darauf war kurz und nicht übermäßig freundlich, aber da wars mir dann schon egal.
Inzwischen habe ich von Bekannten aus besagtem Städtchen gehört, dass das Arbeitsklima dort wohl wirklich jenseits von Gut und Böse sein muss. Mobbing, Rumgeschreie bis hin zu Prügeleien etc. sind wohl an der Tagesordnung.

Bin ich froh, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Ich will meine Energie nicht dafür brauchen, zu überleben, ich brauche die für meine eigentlichen Aufgaben.

~~~

Klitzeklein. Mhm.

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