Wieder was abhaken

Heute die Übergabe meiner alten Wohnung hinter mich gebracht. Man glaubt gar nicht, was Menschen Makler in einer Wohnung alles kontrollieren können. Zwei Stunden haben wir gebraucht. Für vierzig Quadratmeter.

Ich bin raus und war völlig ausgelutscht. Die Ohren haben geblutet, und mein Magen hing mir in den Kniekehlen.

Egal, erledigt.

Morgen darf ich in der Arbeit wieder beim großen Chef vorsingen. Aber nachdem wir am Freitag noch die firmeninterne Weltformel gefunden haben *richtigfettgrins* kann ich ihm morgen was erzählen. Ich kann die ganzen Zahlen, die ich bisher hin und her analysiert habe, mit einem relativ einfachen Modell erklären.  Drei Parameter, und das Verhalten ist beschrieben. Fast eine Weltformel *g*

Dazu habe ich noch ein paar andere Analysen gemacht, also den beschäftige ich gut die halbe Stunde, die eingeplant ist.

Niederrhein

Irgendwie lässt mich die Gegend nicht ganz los.

Ich verbinde sie durch die Besuche bei meinen Ex-Schwiegereltern mit feuchtwarmem Klima, eintöniger (weil topfebener und waldloser) Landschaft, endlosen Autofahrten und auch sonst fällt mir nicht viel Positives ein.

Meine favorisierte Turnierschneiderin sitzt in Wesel.

Mal sehen, ob ich mir das wirklich gebe – es würde viel Zeit kosten und möglicherweise Dinge wieder hochholen, die ich nicht vermisst habe. Andererseits gefallen mir ihre Arbeiten einfach sehr, sehr gut.

Blöd.

Freitagsfüller #104

Besser spät als nie 😉

Von hier.

~~~

1.  Tief durchatmen und dann neue Prioritäten vergeben – drei bis fünf mal täglich in der Arbeit. Es ist ein Haufen von Chaoten, aber ich mag sie.

2. Der Mensch entwickelt sich weiter, die eigene Einschätzung ändert sich, und darum sagt man : „sag niemals nie“! Siehe ich und Latein tanzen – noch vor zwei, drei Jahren hätte ich es entrüstet von mir gewiesen, dass ich jemals bereit sein würde, mich mit ziemlich wenig Kleid auf die Fläche zu stellen. Inzwischen kann ich es kaum mehr erwarten.

3.  Was ist, wenn in Fukushima tatsächlich ein Reaktor hochgeht? Ich verdränge die Frage nach Kräften, aber so ganz klappt das nicht.

4. Ich kenne und akzeptiere meine Gelüste.Meine Therapeutin hat damals meine Schokoladenfressanfälle völlig unbeeindruckt als natürliche Reaktion auf Serotoninmangel bezeichnet. Das hat mir viel Gelassenheit gegeben.

5. Mein Blog hat wechselnde Priorität in meinem Leben. Momentan ist es wieder eine Auskotz- und  Erzählfläche, die mir gut tut.

6. Wie ein Kurzurlaub wäre jetzt ein Besuch im Thermalbad. Eigentlich könnte ich da heute abend mal hin.

7. Was das Wochenende angeht, am Freitag abend war Training angesagt, gestern Besorgungen, ein bisschen Haushalt und ein ungewohnt nachdenklicher Frauenabend. Heute möchte ich noch ein bisschen Zeit mit dem Dr. rer. nat. genießen, ins Training und vielleicht noch in die Therme. Volles Programm schon wieder.

Klares Vielleicht

Das war alles, was der Dr. rer. nat. dem Spezialisten abringen konnte, der Blutproben von ihm auf Borreliose getestet hat. Die Werte waren wohl irgendwie nicht ganz normal, aber auch nicht so auffällig, wie sie bei einem akuten Rezidiv sein müssten. Daher riet der Spezi von Antibiotika ab, das wäre zu gefährlich, die Dinger hätten ja auch Nebenwirkungen, der Dr. rer. nat. sollte halt Schmerztabletten schlucken und abwarten. Nicht explizit ausgesprochen, aber mitklingend: seine Schmerzen kann man nicht messen, und er als Spezialist urteilt nur aufgrund dessen, was er selbst gemessen hat.

Dazu zitiere ich mal stellvertretend für viele, auch wesentlich wissenschaftlichere Quellen den Wikipedia-Artikel:

Die Diagnostik der Borreliose geschieht in erster Linie klinisch, das heißt nicht anhand von Laborparametern, sondern aus dem Krankheitsbild, das der Patient zeigt.

Statement vom Spezi zur Argumentation des Dr. rer. nat., dass ihm bei der ersten Runde die Antibiotika sehr gut geholfen hätten: Ja, hm, wenn die Antibiotika tatsächlich geholfen hätten, wäre es schon ziemlich sicher Borreliose gewesen, aber vielleicht war das ja auch nur ein Placeboeffekt.

Ja nee, is klar.

Fakt ist, dass die Nächte des Dr. rer. nat. zur Zeit morgens gegen vier Uhr enden, weil er dann vor Schmerzen nicht mehr schlafen kann. Betroffen sind aktuell vor allem die Sehnen in den Händen und Unterarmen.

Fakt ist außerdem, dass der ehemalige Supersportler Dr. rer. nat. (schon wenn ich das so hinschreiben muss, könnte ich gleichzeitig kotzen und heulen) zur Zeit nur mit Mühe Treppen hochkommt und in den Seilen hängt, als hätte er gerade eine fette Grippe überstanden.

Alles nur Einbildung, schon klar.

Seit gestern nimmt er die Antibiotika, die ihm ein völlig unspezialisierter Hausarzt verschrieben hat. Das bedeutet einerseits einen eingeschränkten Ernährungsplan – alles, was viel Kalzium enthält, nur noch mittags – andererseits aber auch die Hoffnung auf Besserung innerhalb von zwei, drei Wochen.

Ratlos

Vorhin nach dem Training habe ich mich mit einer anderen Tänzerin unterhalten. Das war ein Gespräch, aus dem ich ziemlich ratlos herausgegangen bin.

Sie ist etwa so alt wie meine Eltern, wohnt in einer kleineren Stadt etwa 50 km weg von hier. Diese Frau hat eine nicht ganz marktgängige Ausbildung und ist daher zum wiederholten Mal auf Stellensuche. Da sie bei ihrer Mutter im Haus wohnt – die Dame ist Mitte 80 -, ist sie an ihren Wohnort gebunden, was die Jobsuche nicht erleichtert. Während unseres Gesprächs hat sie einiges über ihre Mutter erzählt. Nichts, was ich nicht in ähnlicher Form von meinen Großeltern kennen würde, aber alles Dinge, die einen auf Dauer unglaublich Nerven kosten. Z. B., dass die Mutter immer noch selbst die Leiter aus dem Keller holt und darauf hochkrabbelt, wenn sie etwas aus einem Oberschrank braucht, anstatt das ihre Tochter machen zu lassen. Sie ist schon einmal gestürzt, zum Glück hat der Oberschenkel damals noch gehalten.

Bei einer anderen Gelegenheit hatten wir uns schon mal darüber unterhalten, dass sie mehr als 10 Jahre an ihrer Promotion gearbeitet hat, ohne sie danach einzureichen. Zuerst war die Arbeit ihrem Doktorvater nicht gut genug, dann starb der, und zuletzt war sie selbst zu unzufrieden damit.

Nebenbei kamen heute noch zwei, drei andere Themen zur Sprache, wo sie vordergründig sehr rational argumentiert hat. Trotzdem kam sonnenklar durch, dass sie sich emotional sehr engagiert und dass ihre Standpunkte vorrangig durch eigene, einzelne schlechte Erfahrungen begründet sind.

Mir fiel etwas auf, das sich wie ein roter Faden durch ihr Leben zieht: Mit dem Status Quo geht es ihr nicht gut, aber sie hat keine Möglichkeit, daran etwas zu ändern. Die Welt ist halt genau so, wie sie sie sieht, es lohnt sich nicht, dagegen etwas zu tun. Ihre Opferrolle ist fest zementiert, und sie selbst hat keinen Einfluss darauf.

Das hat mich dann sehr zum Widerspruch gereizt *lach* wer hätte es gedacht.
Ich stehe zu meiner Meinung genauso vehement wie sie zu ihrer: Fast keines der Dinge, die wir uns als Sachzwang verkaufen, ist wirklich ein echter Sachzwang. Zu 99% haben wir selbst die Hoheit über unser Leben. Wir entscheiden, ob wir uns für unser Pflichtgefühl opfern und ob wir uns von unseren schlechten Erfahrungen abschrecken lassen. Oder ob wir unsere schlechten Erfahrungen überwinden und für unsere Lebensweise kämpfen.

Ich gehöre eindeutig zur zweiten Sorte Mensch. Das ist vielleicht nicht der einfachere Weg, aber für mich ist es der richtige.

Besagte Frau hat ihre Schicksalsergebenheit übrigens damit begründet, dass ihre Mutter ja schon 85 wäre. Die paar Jahre hält sie jetzt auch noch durch.

Projekt Schönheit

Hihi, wo ichs tippe, fällt mir auf, dass der Titel schon wieder mehrdeutig ist.

„Verschönerung“sbereich 1 ist meine Hautfarbe. Demnächst ist Turnier, wir tanzen Latein, ich bin eine durchschnittlich winterblasse Mitteleuropäerin. Entsprechend gibt es seit ein paar Tagen die guten Sonnenvitamine (will heißen: Betacarotin), um für eine gewisse Grundfärbung zu sorgen. Dazu habe ich heute meine diversen Selbstbräunermittelchen rausgekramt, die kommen dann in den letzten drei, vier Tagen zum Einsatz. Betacarotin gibt nen Rotstich, Selbstbräuner nen Gelbstich, das gleicht sich ganz gut aus.

Eigentlich meine ich aber was ganz anderes. Ich bin hier ja in die Wohnung eines *räusper* sehr funktional orientierten Mannes eingezogen. Die Beleuchtung wurde bisher klassifiziert in „Hauptsache hell“ und „taugt zum Lesen“. Inzwischen existiert im Flur eine Lampe mit Schirm, die die nackte Energiesparfunzel ästhetisch verpackt. Für den nächsten Arbeitsschritt habe ich heute knapp zweihundert Euro in Vorhangstoff investiert. Mal sehen, ob ich meine Mama bezirzen kann, dass sie uns die Vorhänge näht, sonst muss ich das halt selbst lernen oder machen lassen.

Die Vorhangschals werden übrigens schlicht braun (was Knalliges ließ sich in den Vorverhandlungen mit dem Dr. rer. nat. nicht durchsetzen), aber mit einem dezenten Kurven-Schlangen-Muster recht hübsch anzusehen. Damit wird unser Wohnzimmer noch etwas gemütlicher, und die Sonne hat keine Chance mehr, mich durch die Balkontür beim Fernsehen zu stören.