Geruhsam

Ich verbringe gerade ein geruhsames Stück Samstagnachmittag. Im Hintergrund rödelt leise die Waschmaschine, die Küche steht noch voll mit den Überresten der Mittagessenschlacht (Nasi Goreng, in Mengen für die sechsköpfige Familie, die demnächst unsere neue Küche nutzen wird), und auf dem Kopf habe ich einen Handtuchturban, unter dem meine Haare eine Kurpackung inhalieren. Das möchte ich ihnen zumindest geraten haben, in der letzten Zeit waren sie arg fluserig.

Heute früh waren wir auf großem Raubzug in der Metro. Früh heißt heute tatsächlich früh, ich war um halb acht wach – Auslöser: ein besonders sozial eingestellter Mitmensch, der vor dem Haus die Grenzen seiner Auto-Beschallungsanlage austesten wollte. War aber nicht so schlimm, es war gestern abend nicht so spät wie sonst freitags üblich, ich habe genug Schlaf bekommen. Normalerweise würde ich jetzt schreiben „wir haben wie immer den Laden leergekauft, vor Ende nächster Woche mit Sicherheit keine Hungersnot im Hause Dr. rer. nat.“, aber das wäre heute och übertrieben. Die Metro kaufen selbst wir nicht leer.

Später gehts dann noch ins Training, das  wird heute vermutlich etwas unerfreulich. Der Bombenleger schwächelt gewaltig, sowohl gesundheitlich als auch in Sachen Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Disziplin. Ersteres liegt halt an der Jahreszeit, kann man nix machen. Der Rest ist vermeidbar, und ich erwarte von ihm, dass er ihn in Zukunft wieder vermeidet. Während seiner Prüfungsphase habe ich sämtliche Hühneraugen zugedrückt, sein Studienabschluss war wichtiger. Aber jetzt ist die letzte Prüfung drei Wochen her, und er kommt immer noch nicht wieder in die Pötte.

Gestern wollten wir uns um fünf zum Training treffen. Um halb vier schreibt er mir, dass er es erst auf 6 schafft. Zwanzig vor 7 war er dann da, fünf Minuten, bevor die Gruppenstunde anfing. Er will seit Wochen diverse Dinge mitbringen und denkt an kein einziges davon, er wollte mir im Januar Geld zurückgeben, das ich ihm geliehen habe, keine Spur davon. Und in dieser Art gibt es eine Reihe an Dingen, die alle nur Kleinigkeiten sind, die mich aber nerven.

Ich hasse es, mit ihm ernsthaft reden zu müssen – dann schaltet er um in seinen „bitte schlag mich, ich habs verdient“-Modus um und gibt mir in allem recht. Ob das nur Blabla ist oder ob er es tatsächlich umsetzt, weiß ich dann trotzdem erst, wenn ich es überprüft habe, auf ein Versprechen kann ich mich nicht verlassen. Mit der Philosophie tue ich mich echt schwer. Mir ist ein ehrlicher Krach lieber, oder zumindest jemand, der mir zuverlässig sagt, was Sache ist. Aber das ist nicht sein Stil.

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