Lachendes und weinendes Auge: Mutterschutz

Tja, da sitz ich jetzt. Seit ich heute um 14:55 ausgestempelt habe, bin ich im Mutterschutz. Und auf der Heimfahrt habe ich glatt ein Tränchen verdrückt, obwohl ich total erleichtert bin. Ziemlich zwiespältig, offensichtlich.

Ich bin erleichtert, nicht mehr arbeiten zu müssen. Vielleicht mal wieder etwas Energie für mehr als nur Arbeit, Essen und Schlafen zu haben. Weniger Rückenschmerzen (ok, wenn sie nicht täglich mehr werden, reicht das auch), mehr Haushalt und Babyvorbereitungen. Mich gedanklich wirklich umstellen auf die Zeit, die vor mir/uns liegt.

Heute war trotzdem das weinende präsenter. Vermutlich dank einer gewissen Mail, wo heute plötzlich die wahrscheinliche Lösung präsentiert wurde zu einem Rätsel, das ich seit Jahren jage *hierbittemörderwütendensmileyeinfügen*. Sicher auch der lieben Worte von mehreren Kollegen, die ich vermissen werde. Dank des Lobs aus ganz unerwarteter Richtung, dass man meine Arbeit doch sehr schätzen würde und es schade wäre, dass ich jetzt erstmal weg bin.

Ab morgen ist alles anders *schluck*

Ich habe mir einiges vorgenommen für den November – zum Teil Babyvorbereitungen, aber ich will mir auch ganz bewusst Zeit und Erholung für mich gönnen. Letzte Chance zum Auftanken 😉

Kleine Genießermomente als Wal

Sonntagmorgens aufwachen und feststellen, dass nichts wehtut und die Nase frei ist. Nach dem obligatorischen Klogang wieder unter die warme Decke kuscheln, kurz Kontakt zum Bauchbewohner aufnehmen und nochmal wegdösen.

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Zum Mittagessen den Raclettegrill mit heißem Stein anwerfen und ganz gemütlich diverse Leckereien wegfuttern und dabei mit dem Dr. rer. nat. über Gott und die Welt philosophieren.

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Auf dem Sofa in halb-liegender Position rumgammeln, diverse Kochsendungen gucken und sich eigentlich nicht wegbewegen müssen.

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Schöner, ruhiger Sonntag um Durchschnaufen. Und in dem sicheren Wissen, dass das demnächst ganz anders sein wird, kann ich diese Entspannungstage so richtig genießen.

Wochenendschnipsel

Neunter Monat *jubel* noch knapp acht Wochen bis zum Termin, noch zwei Wochen bis zum Mutterschutz. Zeit wirds, ich bin dermaßen schwerfällig und kurzatmig, gefühlt habe ich mein Gewicht verdoppelt. Spiegel und Waage widersprechen hier deutlich, sie sagen übereinstimmend plus zehn Kilo, also alles tiptop.

Kalt und grau isses da draußen. Gut, dass ich seit gestern eine Winterjacke besitze, die ich zubekomme. Und für die folgenden Winter kann ich sie an den Dr. rer. nat. weitergeben, ihm passt sie auch 😀

Im gleichen Raubzug Großeinkauf haben wir auch den neuen Gefrierschrank gefüllt – jetzt gibts nicht nur Obst und Gemüse aus dem Vorrat, sondern auch Fisch, ein paar Pizzen und Wedges bzw. Gnocchi. Letztere hat der Dr. rer. nat. erst vor kurzem für sich entdeckt, leider klappt der Nachschub im Supermarkt nicht zuverlässig. Dann halt aus dem Großmarkt.

Heute habe ich mal wieder ein altes Familienrezept ausgebuddelt und drei Kilo Marmorkuchen gebacken. Ein bisschen Platz im Tiefkühler war ja noch frei (so für ungefähr… zwei Kilo :-)), und Vorräte für die erste Zeit nach der Geburt des Zwergs klingen sinnvoll.
Ganz nebenbei hilft Marmorkuchen zuverlässig gegen Stress und Frust 😉 und das steht auf meiner Hitliste ziemlich weit oben.

Sonst nix Besonderes – ein bisschen Haushalt, vor allem Wäsche, ein bisschen Papierkram und ganz viel Nichtstun.

 

„krafttraining borreliose“

war die letzte Suchanfrage, mit der jemand hier gelandet ist.

Ganz ehrlich: Blöde Idee. Zumindest in einer akuten Phase. Der Dr. rer. nat. hat das auch probiert und ganz schnell wieder gelassen, weil er sich völlig übernommen hatte.
In guten Zeiten gehts, da kann man ganz(!) vorsichtig(!) probieren, ob und wie viel machbar ist. Aber das übliche „ich geh bis an meine Grenzen und noch zwei Wiederholungen drüber“ rächt sich auch dann.

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Ansonsten ist hier alles ruhig. Der Ellenbogen des Dr. rer. nat. heilt so langsam, zumindest ist er wieder leicht belastbar und das Handgelenk lässt sich zunehmend besser drehen. Der Arm lässt sich weiterhin nur bis etwa rechtwinklig beugen, das nervt ihn.

Junior und mir gehts gut, soweit ich das beurteilen kann. Ich mutiere zunehmend zum Wal, zumindest von meinem Bewegungsgefühl her – auf der Waage sinds immer noch nur zehn Kilo Zunahme und der Bauchumfang nähert sich der Schallgrenze von einem Meter. Junior turnt fleißig mehrmals täglich, ab und zu schiebe ich eine besonders spitze Ausbeulung (Knie? Ellenbogen?) wieder zurück, wenns zu sehr spannt. Dann kämpfen wir ein bisschen 😀

Noch dreizehn Arbeitstage, und die nicht mal voll (da ich doch noch viele Stunden abfeiern kann). Das geht jetzt doch irgendwie schnell.

Diverse Formen von „Wie kannst du nur“

Aus gegebenem Anlass unterhalte ich mich zur Zeit regelmäßig mit Kollegen über meine geplante Elternzeit. Primär interessiert die meisten wirklich, wie lange ich noch da bin. Ganz nebenbei werden da aber auch Weltbilder offengelegt.

Variante 1: christlich-konservativer Gutmensch. Zwei Exemplare, beide Ü50, einmal zwei Kinder, einmal 10 (halb und halb eigene und Pflegekinder). „Kinder brauchen ihre Mütter, das kann unmöglich gut für Kinder sein, wenn sie schon als Kleinkinder außer Haus betreut werden.“ Die Herren selbst arbeiten natürlich 40 Stunden pro Woche bzw. als ATler noch mehr.
Variante 2: junge Russin. „Meine Kinder gehen mit einem halben Jahr in die Krippe und ich arbeite wieder ganztags. So bin ich auch großgeworden, und wenn ich länger zuhause bleiben würde, würde ich verdummen.“
Das sind so die beiden Extreme, jede denkbare Schattierung dazwischen gibt es natürlich auch.

[Exkurs: Meine Mutter war zuhause, bis ich (als die jüngere Tochter) etwa 14 war. Danach hat sie eine Vollzeit-Umschulung gemacht und im Anschluss halbtags gearbeitet. Mein Vater hat immer viel gearbeitet, man sah sich morgens und abends jeweils kurz, und am Wochenende war er dann müde oder hat Zeit für sich und seine Interessen gebraucht. So richtig Kontakt mit uns hatte er hauptsächlich im Urlaub und bei Ausflügen.]

Für mich ist der Plan die goldene Mitte: gut ein Jahr ganz zuhause bleiben und dann mit 20 Stunden wieder einsteigen. Ja, dann wird der Zwerg mit einem Jahr in Fremdbetreuung gehen, und das nicht nur für zwei Stunden am Tag, sondern eher 7. Ja, das wird eine Umstellung für den armen Kleinen. Nein, wir brauchen mein Gehalt nicht zum Überleben. Ja, ich bin an dieser Stelle eine Egoistin und sage: Mein Hirn braucht Erwachsenenbeschäftigung. Dieser Job ist genau der Richtige für mich, und den will ich wieder machen. Ja, es wird sicher nicht einfach werden, die Balance zu finden zwischen Kind und Beruf. Ja, mein Mann könnte theoretisch auch Elternzeit nehmen und Stunden reduzieren – das ist aber unsere Sache.

Was mir auffällt: Dieses gefühlte „Wie kann man nur“ kommt fast ausschließlich von den klassischen Familienvätern. Die oben genannte Kollegin aus Beispiel 2 kann andere Positionen stehen lassen. Viele ältere Kolleginnen hätten gerne die Möglichkeiten genutzt, sie selbst waren oft nur halb-freiwillig zuhause, bis das Jüngste mit 3 Jahren in den Kindergarten konnte. Und der Großteil der jüngeren Kolleginnen tickt ähnlich wie ich und sucht nach dem Mittelweg, wo alle Bedürfnisse zählen.

Mal sehen, wie ich in zwei oder drei Jahren über das Thema denken werde und ob ich die Entscheidung im Nachhinein anders treffen würde. Ich habe dem Dr. rer. nat. schon mehrfach angedroht, dass er bei einer eventuellen Nr. 2 die Schwangerschaft übernehmen muss. Wenn das schon nicht klappt, wärs doch eine Idee, dass er das erste Jahr zuhause bleibt?
Schaumermal.