Zurück im Alltag

Irgendwann ließ es sich nicht mehr vermeiden, der Dr. rer. nat. muss seit heute wieder in die Arbeit.

Natürlich war die letzte Nacht eine der schlechteren, wie sollte es anders sein. Ich habe gestern getestet, ob der Zwerg Champignons verträgt, die Antwort ist ein klares Nein. Also gestern Koliken bis abends um halb elf, die gewohnten Stillstops um 1 und um 4, und heute morgen Remmidemmi seit halb fünf. Jetzt endlich sind die Pilze durch, und das übelgelaunte Kind schläft den Schlaf der Erschöpfung. Alles Vollgepullerte, was 60°C verträgt, ist in der Waschmaschine inklusive meiner Klamotten von heute morgen, die 30°C-Ladung folgt danach.
Und nebenbei haben der Dr. rer. nat. und ich noch einige Termine geklärt, die Küche ist halbwegs sauber und ich habe die vollen durch frische Mülltüten ersetzt.

Das Positive daran: es bringt mich nicht mehr an meine Grenzen. Ja, so eine Nacht nervt immer noch, und mir fehlt mindestens eine Stunde Schlaf. Aber ich heule nicht mehr los, sondern ich arbeite eins nach dem anderen ab, zur Not halt unter Gebrüll zehn Zentimeter neben meinem Ohr, und irgendwann ist wieder ein Zeitpunkt der Ruhe.

So wie jetzt.

*entspannt sich*

Vier Wochen

So langsam pendelt sich da was ein.

Heute nacht habe ich sechs Stunden Schlaf bekommen – okay, in vier Etappen, aber immerhin. Ich lerne, zu differenzieren, wann „Wääääääääääääh!“ tatsächlich Verzweiflung bedeutet und wann eher Hunger, Windel voll, der Weg dorthin oder schlicht Langeweile dran sind. Ich lerne, auch mal auszuhalten, wenn der kleine Mann brüllt, ohne dass ich weiß, was er hat.
Der Dr. rer. ist immer noch zuhause und übernimmt meistens die Morgenschicht (das sind dann zwei Stunden zusätzlicher Schlaf für mich), aktuell hat er allerdings schon wieder die Seuche und fällt damit aus.

Mein jetziger Job ist nicht, komplexe Probleme zu lösen, sondern ich muss „einfach nur“ immer da sein. Diese Umstellung ist (glaube ich) das, was mich eigentlich so fordert. Wenn man einen Datensatz fertig ausgewertet hat, habe ich ein Problem gelöst, wenn ich jetzt das Kind vollgetankt und trockengelegt habe, ist das nur die Abwesenheit von „Wääääääääääääääh!“. Oder so.
(Nebenbei: Das Stillen klappt völlig problemlos, das Kind nimmt gut zu. Ist ja auch nicht selbstverständlich.)

Andererseits ist unser Zwerg ein ganz reizender kleiner Knopf. Er turnt schon wie ein Großer (Babyliegestütz: auf dem Bauch Kopf und Oberkörper hochstemmen). Seine Wachphasen werden länger, und ich kann teilweise schon erkennen, dass er Dinge mit den Augen verfolgt.
Aber vor allem seine Mimik ist grandios, da kann ich stundenlang zuschauen, wir haben allein vier verschiedene Arten von Stirnrunzeln identifiziert. Sooo süß ❤

Aufwachen im Detail

Der kleine Mann hier macht uns Dinge bewusst, die ich vorher nie gesehen habe.

Er braucht zum Aufwachen gerne mal eine halbe Stunde (das hat er von mir, der Dr. rer. nat. braucht ungefähr eine halbe Sekunde).

Es beginnt meistens mit einem tiefen Seufzer. Ein paar Minuten später ächzt es ganz leise aus dem Stubenwagen. Beim dritten Mal bewegen sich vielleicht auch die Händchen. Nach und nach grunzt er etwas lauter, streckt genussvoll die Ärmchen von sich und gähnt aus Leibeskräften. Das Ganze immer wieder unterbrochen durch ein paar Minuten Weiterschlafen.
Während dieser ganzen Zeit nimmt seine Körperspannung nach und nach zu. Anfangs könnte man ihn für flüssig halten, so nahtlos schmiegt er sich an den Arm, Papas Brustkorb, sein Bettchen oder worauf auch immer er gerade liegt. Die Ärmchen kann man hochheben, ohne ihn zu stören, sie sinken ganz langsam wieder nach unten. Etwas später fasst er dann vielleicht den Finger, den man ihm in die Hand hält, und lässt ihn in Zeitlupe wieder los. Nach und nach wandern die Fäustchen Richtung Mund, und er dreht später auch den Kopf hin und her.

Das Beste sind aber immer noch die Augen.
Klar, lange Zeit sind sie einfach nur zu. Irgendwann fängt er an, sie zu öffnen, meistens erstmal nur das rechte und das auch nur einen Spalt. Das heißt aber nicht, dass die Pupillen schon irgendwie unter Kontrolle wären, die gucken gerne noch einige Versuche lang ganz weit nach oben. D. h., das Kind liegt dann tiefenentspannt vor uns, blinzelt und man sieht nur das Weiße im Auge.

Spätestens in diesem Moment schmeißen der Dr. rer. nat. und ich uns vor Lachen weg – stört den Kleinen nicht, der kennt seine bekloppten Eltern schon.

Sooo süß ❤