Dazugelernt

Wenn ihr etwas über euch selbst lernen wollt, kann ich eines meiner aktuellen Themen empfehlen: Sucht eine Tagesmutter (okay, theoretisch auch -vater, also korrekt -eltern, aber seid ehrlich, zu 99% machen Frauen diesen Job) für euer Baby und überlegt euch, was euch an dieser Person wichtig ist.

Das hat mir in den letzten Tagen einiges über mich und mein Weltbild, meine Vorstellungen von mir und von richtiger(TM) Kindererziehung beigebracht.

Klar, ein paar Punkte sind einfach:
Die Betreuungszeiten, die wir brauchen, sind in Lage und Dauer unproblematisch. Ich arbeite am sinnvollsten dann, wenn alle anderen auch arbeiten, wir müssen also keine Randzeiten abdecken. Ich habe mich für nächstes Jahr im März in der Arbeit wieder angemeldet, d. h., wir brauchen spätestens im Januar nach seinem ersten Geburtstag einen Platz.
Absolutes Muss für uns ist ein Nichtraucher. Gesunde Ernährung ist uns wichtig, ein gewisses Maß an Ordnung und Hygiene, dazu genug Bewegung und Frischluft, soweit auch unproblematisch.

Aber dann gehts los:
Soll sie eher jung oder eher alt sein? Der Dr. rer. nat. assoziiert bei „alt“ auch „altmodischer Erziehungsstil“, das ist für ihn striktes Schema F ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse des Kindes. Ich hätte lieber jemand mit Erfahrung, also eher keine 19jährige.
Einzelbetreuung oder volle Belegung mit den maximal zulässigen fünf Kindern? Bei letzterem hätte ich Angst, dass er untergeht, gerade am Anfang. Einzelbetreuung muss aber auch nicht sein, dann ist er weiterhin nur unter Erwachsenen.

Am schwierigsten finde ich es, meinen Wunsch-Erziehungsstil irgendwie in Worte zu kleiden. Einerseits bin ich fest davon überzeugt, dass Kinder Grenzen brauchen. Manche Dinge gehen nicht, und ich als Mutter habe die Verantwortung dafür, das meinem Kind beizubringen, um es vor den Konsequenzen zu schützen. Wie viel Energie man in diese Grenzen investieren muss, hängt wohl vom Kind und von der eigenen Herangehensweise ab.
Andererseits ist mir wichtig, dass sich seine Bezugspersonen (auch) an seinen Bedürfnissen orientieren. Bei einem Baby macht man das ja schon zur Schonung der eigenen Nerven, dass es in seinem eigenen Rhythmus trinken und schlafen darf. Essen und Schlafen takten sich mit der Zeit ja halbwegs in den Tag-Nacht-Rhythmus der Erwachsenen ein, aber auch dann gibt es individuelle Bedürfnisse. Beispielsweise brauchen der Dr. rer. nat. und ich beide Zeit für uns alleine, und wenn unser Zwerg genauso tickt, soll er diese Ruhe bekommen.

Ihr merkt schon, das ist alles eher diffus, aber in mir wird mit jedem Darübernachdenken klarer, wo ich ungefähr stehe.

Ich werde nächste Woche mit der Vermittlungsstelle für unsere Gegend Kontakt aufnehmen. Mal sehen, was dann von meinen Überlegungen übrig bleibt.

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2 Gedanken zu “Dazugelernt

  1. Babbeldieübermama 16. April 2016 / 00:53

    Bei allen Überlegungen vergiß deinen Instinkt nicht. Manches erledigt sich dann schon von alleine. 😉

    • stahldame 16. April 2016 / 08:41

      Stimmt, ich bin ins Philosophieren gekommen 😉
      Wir werden mit ein paar Angaben eine Vorauswahl bekommen und dann treffen wir uns mit den möglichen Tageseltern. Da wird die Chemie entscheiden.

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