Und wieder einmal

… versaut mir die Realität alle schönen Planungen und Vorsätze.

Der Zwerg hat sich gestern erst eine fiese Beule geholt und sich dann übergeben. Wir sind mit ihm in die Klinik, Verdacht auf Gehirnerschütterung. Das hat sich zum Glück nicht bestätigt, dafür ist es ein fieser Infekt mit Fieber, Husten und Schnupfen geworden.

D. h., wir stillen gerade wieder voll, gerne auch stündlich und lange.

Armer kleiner Kerl.

Der Babymutter-Zwiespalt

(Okay, wahrscheinlich könnte ich auch „Der Mutterzwiespalt“ schreiben, aber noch ist der Zwerg ein Baby.)
Wieder einmal bin ich an einem Punkt angelangt, der sich nach Sackgasse angefühlt hat. Es ging für mich so nicht mehr weiter, meine Grenze war überschritten. Um etwas zu ändern, musste ich mich aber über die (lautstark geäußerten) Bedürfnisse meines Kindes hinweg setzen. Und das war für mich völlig indiskutabel, auch wenn mir viele verschiedene (Fach-)leute das Gleiche geraten haben.
Tja. Bis ich irgendwann eingesehen habe: Wenn ich nichts ändere, ändert sich auch nichts.
Dann habe ich mir aus den verschiedensten Vorschlägen und Vorgehensweisen meine eigene Strategie gebastelt, damit angefangen – und siehe da, wir mussten nur einmal tapfer sein, und jetzt wirds besser.


Das oben Geschriebene wird vermutlich für noch viele Situationen gelten, ganz aktuell geht es bei uns um die elende Wickelei nachts. Der Zwerg ist tagsüber zu beschäftigt zum Stillen, das holt er nachts nach. Mit dem Ergebnis, dass er teilweise alle zwei Stunden eine neue Windel braucht und davon wach wird. Dann habe ich zum Einschlafen wieder gestillt, und das Spiel ging von vorne los. Außerdem durften wir fast täglich das Bett neu beziehen, bei dem Flüssigkeitsumsatz geht auch bei P*mpers öfte rmal was schief.
Irgendwann hats mir gestunken, und ich habe die Stillmahlzeit beim ersten Aufwachen nachts gestrichen. Wir haben beide eine Dreiviertelstunde lang geheult, danach hat der Zwerg ruhig und friedlich drei Stunden weitergeschlafen. Er ist nicht verhungert, er hasst mich nicht, er war nur verunsichert, weil da plötzlich neue Spielregeln gelten. In der zweiten Nacht hat er kaum protestiert, sondern ist relativ leicht wieder eingeschlafen.

Mein Ziel ist, ihn erst wieder gegen Morgen zu stillen und ihn vorher per Schnuller und Streicheln zu beruhigen. Dafür muss ich nicht so wach und konzentriert sein, das stört mich weniger. Und ich rechne damit, dass der Zwerg wesentlich seltener wach werden wird als bisher, dann bekomme ich auch mehr dringend nötigen Tiefschlaf.

Zuerst habe ich mich wie eine Rabenmutter gefühlt. Inzwischen fühle ich mich als eine Mutter, die auch ihre eigenen Bedürfnisse schützt und handelt, wenn es notwendig ist. Auch wenn das für den Zwerg kurzfristig erst einmal unbefriedigend und verunsichernd ist. Das ist immer noch nicht meine Wohlfühlzone, aber damit kann ich leben.

Mal sehen, wie sich das weiterentwickelt.

Update zu 101/1001

Nach dem ersten Elan hat meine Aufmerksamkeit für die Liste doch stark nachgelassen, wie das halt so ist. Deshalb bin ich die Liste gerade durchgegangen und habe eingetragen, was die letzten sechs Woche so passiert ist.

Ich konnte einige Dinge abhaken, die ich schon ewig vor mir hergeschoben hatte: die #76 zum Beispiel. Verträge durchgehen und Unnötiges kündigen spart mir unterm Strich fast 400 € im Jahr (bei der Zahl werde ich noch nachträglich rot!).
Ein paar Haken konnte ich auch bei Dingen machen, die mir Freude machen bzw. gemacht haben, dazu zähle ich die #38, die #57 und die #94.
Anderes fühlt sich neutral an und ist auch eher Vernunfthandlung, z. B. die #86.

Wo es massiv hapert, ist #97, das mit den Fotos. Teilweise habe ich sogar Bilder und müsste sie nur posten, teilweise macht es aber schlicht wenig Sinn oder ich hatte definitv keine Hand frei zum Fotografieren. Eventuell ziehe ich da einen Joker und reduziere die Anzahl der Fotos, mal sehen.

Bei ein paar Punkten sollte ich mich jetzt echt ranhalten, damit die vorgegebene Anzahl, wie oft ich sie erledigen sollte, noch Sinn macht: #2 und 3, #20, #77, #81. (Die #82 nehme ich raus, den Termin habe ich am Donnerstag.)
Andere Punkte sollte ich noch möglichst bald abarbeiten, bevor der Zwerg bei der Tagesmutter anfängt – ich denke hier vor allem an die #55.
Und mindestens einen Punkt weiß ich auch schon, wo ich definitiv noch einen Joker ziehen werdee und die Aufgabe austauschen: die #14. Das war ein hehres Ziel, ist aber nicht zweckmäßig. Ich nutze das Internet für viele nützliche und vernünftige Dinge (Busfahrplan, Wetterbericht, Kontakt mit dem Dr. rer. nat., Einkaufsliste,…), darauf zu verzichten macht mir unnötig das Leben schwer, erhöht meine Fehlerquote und wäre nur Selbstzweck. Dafür muss ich mir eine andere, sinnvollere Aufgabe überlegen.

Ich bin sehr gespannt, wie sich die Liste und mein Verhältnis zu den selbst gestellten Aufgaben im Lauf der Zeit noch verändern werden – ich werde berichten 🙂

WMDEDGT 9/2016

Ha! Heute hab ich dran gedacht! Also eigentlich schon gestern, mein Bullet Journal merkt sich solche Termine nämlich für mich, was ein Glück.

0:15, ich schrecke von der Matratze im Kinderzimmer hoch. Ich liege unbequem, und mich frierts am Bauch. Ein Blick zeigt, dass ich mal wieder beim Stillen eingeschlafen bin, da der Zwerg noch passend vor mir liegt und leise säuselt. Ich verfrachte ihn in die Federwiege und schleiche mich zurück ins Schlafzimmer, das Bett ist bequemer. Der Zwerg findet die Idee aber nicht gut, also alles zurück, nochmal stillen, dann darf ich weiterschlafen.

Gegen 4:30 schaue ich das nächste Mal auf die Uhr. Ich bin wieder im Kinderzimmer (keine Ahnung, seit wann – muss ich mir Gedanken machen? Ich sehe das eher als gutes Zeichen, dass das im Schlaf klappt), der Zwerg rumort neben mir. Rumoren heißt: er dreht sich, geht in den Vierfüßlerstand, dreht sich quer im Bett, rammt mir seinen Kopf in den Bauch, wippt im Vierfüßler vor und zurück, lässt sich zur Seite fallen, rollt auf den Rücken, kraucht zurück auf den Bauch und wieder von vorne. Den ganzen Baby-Sonnengruß mit geschlossenen Augen, gelegentlichen Schlafpausen und gelegentlichem Aufheulen. Stillen will ernicht, Bauchmassage hilft nur kurzzeitig, Köpfchenkraulen auch. Irgendwas hat er wohl wieder, was es genau ist, wird sich zeigen.

Um 5:20 gebe ich auf und mache Licht an. Der Zwerg blinzelt mich verschlafen an, hört kurz auf zu zetern und begrüßt mit mir den Dr. rer. nat., der genauso verschlafen wie wir hereinkommt. Er schafft es immerhin, das Baby aufzuheitern und übernimmt die morgendliche Wickeln-Waschen-Anziehen-Routine, während ich die Küche aufräume und für den Zwerg und mich Frühstück vorbereite. Für mich gibts einen halben Apfelstrudel von gestern und danach Käsebrot, für den Zwerg einen Minizwetschgenkuchen, Rezept muss ich noch nachliefern. Gegen 6:30 gehen wir Zähneputzen, danach spielt der Zwerg noch ein bisschen. Er ist aber schon wieder reichlich dünnhäutig, so dass ich ihn schon bald wieder in die Federwiege verfrachte.

6:50, der Zwerg schläft, ich ziehe mich an und setze mich mit meinem Kaffee an mein Bullet Journal und den Rechner. Neben einigen WMDEDGT-Notizen besuche ich mein aktuelles Lieblingsforum und plane den Tag. Meine langfristige To-do-Liste besteht ungefähr zur Hälfte aus Einträgen mit dem Termin „Sep16“, also suche ich mir zwei Dinge heraus und nehme sie mir für heute vor.

Kurz nach acht quakt es aus dem Kinderzimmer, also bekommt Junior eine kurze Wartungsrunde und ich schnalle ihn – zum ersten Mal seit Wochen mit langärmeliger Strickjacke und Socken – mir auf den Rücken. Wir holen ein paar Kleinigkeiten bei Feinkost Albrecht und beim Bäcker und bestaunen unterwegs die Einrichtung einer Baustelle. Zwei kräftige junge Kerle sperren mal eben eineinhalb Spuren der Hauptstraße, ohne Behelfsampel herrschen wilwestähnliche Zustände, aber who cares.

Etwa um 9:15 sind wir zurück, Junior hat Hunger, und wir rufen kurz den Dr. rer. nat. an. Er plant, seinen Arbeitstag gegen 13 Uhr zu beenden, ich bereite also kein Mittagessen vor. Während des Telefonats demonstriert der Zwerg, dass er sich aus dem Vierfüßler nicht nur zum Knien hocharbeiten kann, sondern auch in den Stand. Reichlich wacklig und nur kurz, aber immerhin. Seine Neugier auf das weiße Kästchen in meiner Hand treibt ihn offensichtlich zu sportlichen Höchstleistungen an. Wir spielen eine Weile mit seinem geliebten Spielebogen, der wieder interessant ist, seit er alleine sitzen kann. Endlich kann man das Ding auch von oben untersuchen. Junior bleibt aber dünnhäutig, so dass ich ihn nochmal stille und gegen 10:45 wieder zum Schlafen hinlege. Ich schnappe mir mein aktuelles Büchereibuch, einen Brunetti-Roman, und lege mich daneben. Leider nur eine gute Stunde, dann ist er wieder wach.

12 Uhr, Zeit zum Mittagessen. Wir haben noch Tafelspitz und Kartoffeln von gestern. Dazu mache ich einen Salat, während mir der Zwerg zwischen den Füßen herumrobbt und Aufmerksamkeit einfordert. Das Essen klappt dann gut, er schafft eine ganze kleine Kartoffel mit Margarine, ein paar Fitzelchen Tafelspitz und einige Bissen Gurke. Seit kurzem gebe ich ihm einzelne Bissen in die Hand, die er dann in den Mund steckt. Dazu trinkt er immer wieder Wasser aus seinem Spezialbecher, bis auf ein paar Tropfen klappt das richtig gut. Zum Abschluss gibts noch ein paar Himbeeren, und wir gehen wieder spielen, bis der Dr. rer. nat. heimkommt.

Die Zwergenlaune bleibt unterirdisch, und sie wird nur kurzfristig besser, wenn die beiden Männer miteinander toben. (Ich könnte gar nicht so mit ihm toben wie der Dr. rer. nat., mir fehlt die Kraft, um unser Zehn-Kilo-Paket so herumzuheben.) Überraschend ruft mein Chef an, und ich plaudere eine halbe Stunde mit ihm über alte Zeiten und neue Entwicklungen – schön! Danach motzt Junior immer noch, aber gegen

14:30 kann ich ihn vom Schlafen überzeugen, und er schläft mit etwas Unterstützung immerhin eineinhalb Stunden. Seine Laune wird davon allerdings nicht besser, Diagnose: Lagerkoller. Gestern waren wir nicht draußen, heute auch nur kurz, das reicht dem Kind nicht. Daher packen wir die Wickeltasche ins Auto und ziehen los Richtung Bücherei mit der Option auf Spielen im Park daneben. Ausnahmsweise darf der Zwerg im Buggy mal in Fahrtrichtung gucken, das mache ich sonst nicht, weil ich befürchte, dass er da zu viel an Reizen abbekommt, aber hey, genau das wollen wir doch heute. Wir sammeln zwei Donna Leons ein, ein Buch über frühkindliche Bindung, einen Stadtführer und zwei Pappbücher für den Zwerg. Da ist er dann schon so müde, dass ohne Schnuller gar nix mehr geht. Also lasse ich ihn nur noch ein paar Minuten im Kleinkindbereich der Bücherei rumrollern und wir fahren wieder heim.

Gegen 17:45 sind wir wieder zuhause, der Dr. rer. nat. ist im Training, und ich bereite schnellstmöglich das Abendessen vor. Zwei Scheibchen Brot für den Zwerg auftauen, drei Scheiben für mich abschneiden, Margarine und ein paar Sorten Käse auf den Tisch, dazu ein Stück Gurke. Das teilen wir uns freundschaftlich, ich esse das Äußere, der Zwerg das weiche Innere. Er probiert zum ersten Mal, wie Frischkäsebrot mit Pfeffer drauf schmeckt, offensichtlich  gut.
Nach dem Essen darf er noch kurz spielen, bis ich den Tisch abgeräumt habe, dann gehen wir Zähneputzen, wickeln ihn, ziehen ihn um und stillen nochmal. Das Insbettbringen läuft wie immer: Stillen im dunklen Kinderzimmer, dann Rumgeturne wie heute morgen beschrieben. Die Verschnaufpausen zwischen den einzelnen Schritten werden immer größer, irgendwann schnappe ich ihn mir und lege ihn in Schlafposition. Er rollt noch zwei-, dreimal hin und her, dann schläft er. 19:30, unsere Standardzeit.

Jetzt ein bisschen Abendprogramm für Erwachsene: mit meiner Schwester telefonieren, mit einem halben Glas Fruchtwein (man wird genügsam…) den Abgang meiner Hasskollegin feiern, mit dem Dr. rer. nat. Türgitterpuzzle spielen und sich über die intellektuellen Nicht-Fähigkeiten des Kundenservice des Herstellers aufregen,… den Bericht hier zuende schreiben und ins Bett gehen.

Meine Prognose gegen 21:30 für den Rest des Tages: schlafen, nochmal wickeln und stillen, weiterschlafen.

Gute Nacht!