Erholt.

Zwei Wochen Ostsee waren genau das Richtige. Tolles Sommerwetter, tolle Ferienwohnung, tolle Umgebung, es war einfach großartig.

Ich habe wirklich abgeschaltet und mich erholt. Ja, mit Vierjährigem und Partner und in fremder Umgebung gibts trotzdem Dinge, die nicht optimal laufen. Aber wir sind aus unserem Trott rausgekommen, ich konnte gut in mich reinfühlen und einiges sacken lassen.

Ich stelle mich gedanklich auf einen heißen Herbst ein. Irgendwie ist ja alles in der Schwebe und das einzige, was klar ist, ist, dass es täglich neue Regeln geben kann. Arbeit – Büro oder homeoffice? Kinderbetreuung – Normalbetrieb, Totalschließung oder irgendwas dazwischen? Man weiß es nicht.

Mein Plan ist, mich nicht stressen zu lassen. Ich habe nur zwei Hände und einen Kopf, mehr von mir gibts nicht und mehr werde ich nicht versuchen zu leisten. Ob ich in der Arbeit jetzt drei Wochenstunden mehr oder weniger arbeite und in dieser Zeit eine Aufgabe mehr oder weniger erledige, wird keinen signifikanten Unterschied machen. Also werde ich auch nicht täglich versuchen, irgendwie 120% in meine 75% Zeit reinzuquetschen. Wer mehr von einem meiner drei Jobs haben will, muss mir Aufgaben der anderen beiden abnehmen, oder er kanns vergessen.

Wir haben noch eine Woche Urlaub. In der Zeit werde ich noch einige Ausflüge mit dem Zwerg machen, ein paar Ecken in der Wohnung ausmisten, ausschlafen, eine Freundin treffen,… und hoffentlich so entspannt bleiben wie jetzt.

WMDEDGT 02/2019

Falls tatsächlich noch jemand nicht weiß, was das ist: hier nachlesen, bitte.

6:00, mich weckt das Vibrieren meines Handy und nahezu gleichzeitig habe ich einen Fuß des Zwergs im Gesicht. Das sagt einiges aus über die Nacht: Er kam wieder irgendwann rüber ins Elternbett – normal, ich habe ihn vorher icht bemerkt – gut, wenn das Kind quer liegt, ist der Dr. rer. nat. schon in der Arbeit – auch normal.
Ich starte mit einer heißen Dusche in die Morgenroutine, deren Einzelteile in der perfekten Reihenfolge angeordnet sind. Nach dem Duschen gleich eincremen, damit ich mich nach dem Frühstück ohne Schmiererei schminken kann. Beim Kind die Zimmertür öffnen, der Fünfminutenabstand für weitere Weckversuche passt genau zu meinem Frühstücksrhythmus. Und so weiter ist unser gesamter Morgen durchgetaktet und ausgetüftelt, sonst kämen wir zwei Trödeltanten nie aus dem Haus.

Um 7 habe ich ein Kuschelkind auf dem Schoß, genieße seine Bettwärme und ärgere mich über unbedarftes Gelaber eines Herrn auf twitter.

Wieder eine Stunde später sind wir fast auf dem Weg in den Kindergarten, Majestät bestehen allerdings noch darauf, sich aufs Töpfchen zu setzen. Völlig neue Anwandlungen, aber gut, ist ja grundsätzlich in meinem Sinn. Danach gehts zügig in den Kindergarten, heute wird mir nur noch kurz zum Abschied gewinkt und weg war er. Gut so.

In der Arbeit begrüßt mich eine leidige Pflicht, ich muss wieder mal Monatsbericht schreiben. Ich bemühe mich um halbwegs diplomatische Formulierungen und stelle fest, dass ich im Januar einiges geschafft habe. Bis zum Mittagessen arbeite ich mich durch eine Besprechung, in der es um etwas ganz anderes ging als ich dachte, ein Rundschreiben, zu dem mein Beitrag angeblich anders hätte aussehen sollen (was mir aber keiner gesagt hat) und eine Übersetzung eines meiner Dokumente, die inhaltlich eher große interpretative Kreise um meine ursprünglichen Aussagen fliegt.

Das kostet mich einen halben Beutel Kakaomandeln und drei Stunden Arbeit, bis gegen eins mein Chef aus seiner Schulung zurückkommt und mich erlöst: „Essen?“
Die folgende halbe Stunde war definitiv das Highlight des Arbeitstages, bevor ich mich wieder in meinen Papierkram verkrieche. Ich mache pünktlich Schluss, düse nach Hause und schaffe es sogar noch aufs Klo, bevor ich den Zwerg abhole.

Der ist ganz gut drauf und rollert freiwillig mit mir Richtung Apotheke, ich musste ihn gar nicht mit dem Fruchtriegel bestechen, den ich mitgebracht hatte. Wir erwerben diverse Pillen und Salben und machen uns auf den Heimweg. Vor der letzten Ecke beschließt der Zwerg, dass er jetzt das Dreirad schiebt und düst los – nur um wenige Meter später seinen Vater damit abzuschießen. Der Dr. rer. nat. hat früh Schluss gemacht und jetzt einen neuen Abdruck am Schienbein.

Drinnen folgt erstmal des Zwergs Erholungsdreikampf – Schnullern, Gummibärchen, Videogucken – bevor wir ihn in sein Zimmer komplimentieren. Der Nachmittag vergeht mit Lego, Puzzles und Boxen – ein Kissen an der Wäscheleine am Haken, der mal die Federwiege hielt, leistet hervorragende Dienste. Plötzlich bricht ein völlig unterzuckerter Zwerg theatralisch zusammen und bestellt „Nudellln!“.
Er beginnt mit Lebkuchen und getoastetem Brot, bis das Menü serviert wird, und haut dann ordentlich rein. Morgen muss offensichtlich wieder mehr Nahrhaftes in die Brotdose.

Wir bestellen anschließen neue Puzzles auf eb*y, jetzt sind 40 Teile und mehr gefragt. Außerdem packe ich ein Paket zum Wegbringen (die 6-Teile-Puzzles…) und beschäftige den Junior mit diesem neuen Spielzeug. Der mitgelieferte Akkuschrauber liegt nur rum, aber das Kind schraubt und stapelt mit Begeisterung. Super, wieder mal ein Spielzeug, das man auch mitnehmen kann. Gegen 20 Uhr wird er quengelig, d. h., es wird Zeit für die letzte Raubtierfütterung des Tages und dann den Weg ins Bett. Nach außerordentlich kurzem „Aber der Papa soll!“-Protest lege ich ihn hin, wir lesen das halbe Petterson-und-Findus-Buch und um kurz nach neun kann ich mich rausschleichen.

Ich schreibe diesen Beitrag, werde noch ein paar Reihen stricken und dann auch ins Bett gehen. Morgen ist ein langer Tag – erst arbeiten, dann den Zwerg abholen und ab zum Kinderturnen mit Heimkehr gegen 18 Uhr.

Und ihr so?

Edit: ich stelle gerade fest, dass ich ein inlinkz-Konto brauche, um meinen Link bei Frau Brüllen einzutragen. Sowas Doofes.

Die Wahnsinnigen…

… unter den Arbeitnehmern und -gebern scheinen wider Erwarten doch halbwegs gleichmäßig verteilt zu sein. Zumindest konnten der Dr. rer. nat. und meine Schwester mit ähnlichen wtf-Momenten aufwarten wie dem, der mir heute begegnet ist.

In einem Projekt habe ich seit längerem damit zu tun, eine Software aufzubohren. Ich gebe die Inhalte vor, unsere IT macht teilweise selbst, teilweise macht es der Hersteller der Software.
Wir haben eine neue Schnittstelle bestellt (auch dahinter steckt eigentlich schon ein dreiseitiger Rant, aber lassen wir das), und eine wesentliche Eigenschaft fehlt. Ich schreibe also übersichtlich zusammen, was mir fehlt, und schicke es der IT mit Bitte um Reklamation beim Dienstleister.
Reaktion IT: jaja, machen wir schon.

Nachfrage nach zwei Wochen: nichts.

Nachfrage nach vier Wochen: immer noch nichts.

Drei Tage später, völlig unverhofft:
„Also wir haben uns das angeschaut und entschieden, dass das zu viel Aufwand für den Dienstleister wäre.“

W.

T.

F.?

Nunja, Besprechungseinladung ist raus, ich bin auf die Begründung gespannt. (Nein, bin ich nicht. Das ist nur die Faszination des Grauens.)


Noch was Positives als Kontrast gefällig?

Die erste Serie an Weihnachtsplätzchen ist abgearbeitet. Drei Sorten hatte ich seit Ende letzter Woche gebacken, und heute mit dem Zwerg zusammen Ausstecherle. Er war zwei Bleche lang sehr fasziniert und hat fleißig Bagger, Nashörner, Hämmer, Lokomotiven und Schiffe ausgestochen. Sogar das Teig einmehlen und ausrollen ging ganz gut, ich war schwer beeindruckt. Danach war die Konzentration zuende und ich froh, dass der Dr. rer. nat. heimkam. Aber der Zwerg hat seine ersten eigenen Plätzchen produziert und auch gleich wieder genascht.

Komisches Gefühl – bis vor ein paar Jahren habe ich noch mit meiner Mama zusammen gebacken, und jetzt bin ich die Mama.


Nochmal aus der Reihe Emotionales rund ums Geldverdienen:
Ich bin vorhin über diesen Blogpost von mir gestolpert. Joah, der Lichtblick von damals ist es bis heute geblieben.
Der Rest von diesem Laden kann mir aktuell gepflegt den Buckel runterrutschen, so ein $%&“ Gezipfel machen sie gerade um meinen Teilzeitantrag fürs nächste Jahr.
Meine aktuelle Erklärungshypothese: Schwanzvergleich zwischen meiner Chefchefin und ihrem neuen Chef. Blöd, wenn man bei sowas der Kollateralschaden ist.
Ich habe heute tatsächlich den Betriebsrat eingeschaltet und bin gespannt auf das Feedback nächste Woche.

Zwischenstand

Die Kindergarteneingewöhnung zähle ich mal als abgeschlossen – heute morgen sind wir rein, ich konnte ihm mit Mühe noch JackeMützeSchalSchuhe abschwatzen, dann war er schon unterwegs. Schließlich muss man ja allen Erzieherinnen die coole L*ghtningMcQ*een-Jeans zeigen. Ich hole ihn seit gestern um 15:00 ab, länger wird er erstmal nicht bleiben müssen. Läuft also.

Außerdem schläft das Kind abends wieder gegen halb 8 und nicht erst zwei Stunden später, d. h., wir haben wieder einen Feierabend, der die Bezeichnung verdient.

Ich habe diese Woche wieder Urlaub, erstens um greifbar zu sein, falls es im Kindergarten doch nicht rund läuft, und zweitens weil meine Sicherheitspufferurlaubstage dieses Jahr verbraucht werden müssen.

In dieser Woche habe ich schon mehr Haushalt gemacht als in den zwei Monaten davor. Es waren genügend „sollte man ein paar Mal im Jahr machen“-Aufgaben fällig.

Mein Streber-Gen wirkt auch Richtung Geburtstage bzw. Weihnachten: drei Plätzchenteige liegen im Gefrierschrank, der Geburtstagspulli für den Zwerg ist fertig, die Adventskalender sind bestellt und der Fotokalender für die Verwandtschaft ist bis November fertig.

Außerdem stelle ich heute ungefähr tausend Klamottenpakete bei eb*y ein. Das ist was, was ich wirklich nur mache, wenn ich Zeit übrig habe. Wenn ich alles abarbeite, was ich schon vorbereitet habe, sind alle zu kleinen Wintersachen drin und hoffentlich auch bald weg \o/

Der Rest des Bastelkurses mit dem Zwerg war wunderbar. Er hat erwartungsgemäß begeistert mit dem Ton gematscht, mit voller Konzentration Glitzerbilder produziert und sich wohlgefühlt. Gips gießen fand er nett, die fertigen Gipsfiguren waren aber nur interessant, weil er sie mit der Schere zerschneiden konnte. Ich habe unsere Figürchen halt sortiert, was er vor die Schere bekommt (Gipsfahrzeuge) und was nicht (meine Schneemänner und Sterne aus Ton).
Der Kurs war eindeutig auf Kinder wie ihn ausgelegt. Eine Mutter war äußerst unzufrieden, weil die Auswahl zu klein und alles nicht sauber und filigran genug war. Gibts offensichtlich auch.

Privat ist also alles absolut im grünen Bereich. Zum Ausgleich hat das Irrenhaus seinen Namen aktuell wieder mehr als verdient.
(Roman wieder gelöscht)
Kurzfassung: Mein Teilzeitantrag für das kommende Jahr liegt beim Aufsichtsrat zur Genehmigung, weil ich Stunden aufstocken will und das die Personalkosten erhöhen würde. Wenn sie ihn noch zwei Wochen reifen lassen, gilt er als genehmigt wegen Nichtreaktion.
Das ist mal echte Mitarbeitermotivation.

Durchatmen

Die Woche war randvoll – drei Tage internationale Gäste in der Arbeit, große Unruhe beim Dr. rer. nat. in seiner Arbeit, der Zwerg ist sowieso grundsätzlich nicht ausgelastet. Gestern abend war ich absolut knülle.

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Jetzt sitze ich im Wiesengrund, um mich herum zwitschern Vögel, ich habe Kaffee dabei und schalte ab. Ein krasser Kontrast, aber dringend nötig.

Und immer wieder beschäftigt mich das Thema Work-Life-Balance und das, was ich bei Kollegen und Chefs dazu sehe. Manche scheinen das Thema gar  nicht zu kennen,  außer Arbeit gibts in ihrem Leben nichts. Andere leben das andere Extrem, da werden schon mal Besprechungseinladungen abgelehnt, die aus diversen Gründen nicht anders gelegt werden können, mit dem Hinweis auf die Frühstückspause, die exakt zu diesem Termin stattfinden muß. Die beiden Gruppen leben unkompliziert , die Prioritäten sind klar. Ich stehe dazwischen. Ich will weder das eine noch das andere, aber diese Einfachheit wäre tatsächlich schön.
Im nächsten Leben vielleicht.